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Gefangen im großen Tabu

Im Interview mit der Wochenzeitung „Die Zeit“ zum Jahresschluss 21 und zum Start seiner Tätigkeit als Klima- und Wirtschaftsminister hat sich Robert Habeck als Gefangener des großen Tabus erwiesen: Einer der ganz wenigen konsequent ökologisch denkenden deutschen Journalisten, Bernd Ulrich, hat die schlichte Frage gestellt, ob auch für die E-SUV-Fahrer und für Bitcoin-Schürfer Windräder aufgestellt werden müssen. Leicht verklausuliert war das die Frage nach den wirklich benötigten Mengen - oder anders gesagt: Es war die Gretchenfrage nach dem verschwenderischen Lebensstil unserer Industriegesellschaft. 

Robert Habeck hat nicht geantwortet. Die Bitcoin-Schürfer und E-SUV-Fahrer sind sicher nicht seine Freunde, aber sie sitzen mit ihm am Kabinettstisch. Deshalb wäre die ehrliche Antwort gewesen: „Ja selbstverständlich. Es wird auf keinen Unsinn verzichtet. Wir hören mit keiner Idiotie auf – ab morgen verschwenden wir nicht mehr nur Atom- und Kohlestrom, sondern vor allem jede Menge erneuerbare Energien. Mir wurde schon vor längerer Zeit von Kommunikationsprofis geraten, das große Tabu zu akzeptieren und das Problematisieren unseres absolut unverträglichen Lebensstils auf jeden Fall zu vermeiden.“ 

Sicherheitshalber betone ich, dass dies kein Zitat ist. Ich kann nicht Gedanken lesen. Aber ich vermute, dass Robert Habeck weiß, dass es sehr schwierig sein wird, für das wirklich Nötige genug regenerativen Strom zu erzeugen. Er weiß sicher auch, dass wir uns absurde Verschwendungsorgien auf Autobahnen, in Krypto-„Währungen“ und bei unzähligen weiteren Überflüssigkeiten eigentlich nicht leisten können. Aber wir werden von ihm und wohl von keinem grün-gelb-roten Spitzenpolitiker diese ehrliche Antwort hören. Wir müssen sie uns selber geben.

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