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Gemeinwohlökonomie - das demokratische Wirtschaftssystem von morgen

Auf Einladung der Ökologisch-Demokratischen Partei (ÖDP) stellte Gerald Morgner, Unternehmer und Gemeinwohlberater aus Olching, dem interessierten Publikum bei seinem Vortrag in Germering das Konzept der Gemeinwohlökonomie vor.

„Wir benötigen dringend eine Reform unseres Wirtschaftssystems!“ Diese These stellte der Referent in den Mittelpunkt des Vortrags. Die bisherige Gewinnmaximierung als Ziel allen wirtschaftlichen Handelns habe die Welt in eine Krise gebracht. Während Unternehmensgewinne nur wenigen zugutekommen, gehen die Folgen von Umweltverschmutzung, Klimaerwärmung und mangelnder Solidarität zu Lasten aller.

Dabei heißt es in Artikel 151 der bayerischen Verfassung, dass die gesamte wirtschaftliche Tätigkeit dem Gemeinwohl dienen solle. Doch die Realität sieht häufig anders aus: Gesetzliche Rahmenbedingungen sind so gestaltet, dass Gewinnmaximierung der Unternehmen belohnt und Schäden externalisiert, das heißt von der Allgemeinheit bezahlt werden. Deutlich wurde dies beispielsweise in der Finanzkrise 2008/2009, bei der die in Schieflage geratenen Banken massiv durch Steuermittel gestützt wurden.

Die Gemeinwohlökonomie (GWÖ) hingegen stellt das Wohl aller Beteiligten in den Mittelpunkt unternehmerischer Entscheidungen und baut auf Werte wie Solidarität, Menschenwürde, ökologische Nachhaltigkeit und demokratische Mitbestimmung. „Unternehmen, die sozial, nachhaltig und transparent wirtschaften, profitieren auf unterschiedlichen Ebenen“ so Gerald Morgner. Zufriedene Mitarbeiter beispielsweise sind in der Regel seltener krank oder wechseln nicht so häufig das Unternehmen. Auch die Bindung zu Kunden und Lieferanten wird durch die Gemeinwohlökonomie qualitativ aufgewertet, was zu einer stärkeren Kunden- bzw. Lieferantentreue führt. „Unternehmen, die gemeinwohlorientiert wirtschaften, sollen auch in Bezug auf die gesetzlichen Rahmenbedingungen profitieren“ fordert Morgner. So sieht die GWÖ beispielsweise steuerliche Vorteile, Vorrang bei öffentlichem Einkauf und leichteren Zugang zu Wirtschafts- und Forschungsförderung für Unternehmen vor, die die Gemeinwohlkriterien erfüllen.

Eine Gemeinwohlbilanz erstellen und sich zertifizieren lassen können alle Unternehmen. Namhafte Unternehmen, die bereits gemeinwohlzertifiziert sind, sind beispielsweise die Sparda-Bank München, der Outdoor-Bekleidungshersteller Vaude, der Tee- und Kräuterhersteller Sonnentor oder die Bädersparte der Stadtwerke München sowie im Landkreis Fürstenfeldbruck der Biogroßhändler Ökoring aus Mammendorf.

Es wurde an dem Abend auch darüber diskutiert, wie sich die Gemeinwohlökonomie im Landkreis umsetzen lässt. Hier spielen die Kommunen eine Schlüsselrolle, die eine enorme Breitenwirkung erzielen und so Multiplikatoren der GWÖ sein können, denn auch Kommunen oder kommunale Eigenbetriebe können eine Gemeinwohlbilanz erstellen. Hier möchte auch Gerald Morgner ansetzen und versuchen, im Landkreis Kommunen zu überzeugen, sich zertifizieren zu lassen. (Germering / dz)


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