persönlicher Kommentar
Offener Brief an das Nord-Süd-Forum FFB
Ich wurde gebeten, eine etwas ausführlichere Stellungnahme zum Thema Ressourcenschonung aus Sicht der ÖDP – und insbesondere für unseren Landkreis – zu verfassen, als ich dies im Rahmen einer kurzen Vorstellung meiner Person und Ziele auf unserer Website als angebracht erschien.
Christian Holdt - ÖDP
Offener Brief zur Ressourcenschonung
Sehr geehrte Mitglieder und Aktive des Nord-Süd-Forums,
ich wurde gebeten, eine etwas ausführlichere Stellungnahme zum Thema Ressourcenschonung aus Sicht der ÖDP – und insbesondere für unseren Landkreis – zu verfassen, als ich dies im Rahmen einer kurzen Vorstellung meiner Person und Ziele auf unserer Website als angebracht erschien. Bereits bei meiner Nominierung als Landratskandidat auf der Aufstellungsversammlung hatte ich diese Punkte näher erläutert. Dies möchte ich nun in Form dieses offenen Briefes vertiefen.
Die ÖDP ist aus meiner Sicht die am weitesten in die Zukunft denkende Partei. Wir möchten Politik so gestalten, dass auch nachfolgenden Generationen eine möglichst intakte Natur erhalten bleibt. Wir verfolgen konsequent das Prinzip der Enkeltauglichkeit.
Echte Vermeidung vor Neubau
Für die Arbeit im Kreistag bedeutet Ressourcenschonung bei der ÖDP primär eine echte Vermeidungsstrategie. Wir müssen öfter die Frage nach dem „Ob“ stellen: Ist eine Maßnahme oder Investition tatsächlich notwendig oder gibt es temporäre Alternativen? Manche Provisorien bewähren sich länger als gedacht und sind sinnvoller, als neue Gebäude oder Güter für nur kurze Nutzungszeiträume anzuschaffen.
Nach der Vermeidung und der Bevorzugung regionaler Kreisläufe folgt für uns echtes Recycling (im Gegensatz zum Downcycling). Investitionen des Landkreises müssen nachhaltig sein, möglichst lange wirken und reparierbar sein. Diese Prämisse gilt es im neuen Kreistag stärker als bisher durchzusetzen.
Beispiel Liegenschaften: Erhalt statt Abriss
Ich habe dies bei meiner Vorstellung am Beispiel der Tenne im Kloster Fürstenfeldbruck verdeutlicht: Am Tragwerk lässt sich dort bewundern, wie Zimmerer einzelne Balken des Gebälks mit hoher Handwerkskunst durch reine Holzverbindungen erneuert haben. Vor rund 25 Jahren wurde hier alte Bausubstanz mit moderner Nutzung kombiniert. Heute ist die Tenne mit dem Bauernmarkt und den vielen Veranstaltungen aus dem Landkreis nicht mehr wegzudenken.
Auch im Kreistag von Straubing-Bogen konnte die ÖDP Impulse für öffentliche Liegenschaften in Holzbauweise setzen. Die Vorteile liegen in der leichten Reparierbarkeit, einem besseren baubiologischen Klima und der massiven CO2-Einsparung durch den weitgehenden Verzicht auf Beton.
Das Kreismüllkonzept und das „Gebrauchtwarenkaufhaus“
Die Bürgerinnen und Bürger können sich bereits aktiv beteiligen, etwa durch unser erfolgreiches Kreismüllkonzept. Dieses entstand infolge des von der ÖDP unterstützten Volksbegehrens „Das bessere Müllkonzept“ als lokale Alternative zum Dualen System Deutschland (DSD). Durch die Abgabe von Möbeln, Rädern, Kleidung oder Elektrogeräten werden viele Dinge einer Wiederverwendung zugeführt.
Aktuell werden jedoch aufgrund zu kleiner Flächen zu wenige Gegenstände gerettet. Mitarbeiter der Wertstoffbörse bestätigen mir immer wieder: Es könnte viel mehr sein, wenn der Platz da wäre. Daher verfolgen wir im nächsten Kreistag das Ziel, eine leerstehende Gewerbeimmobilie zu pachten, um ein „Gebrauchtwarenkaufhaus“ zu etablieren.
Dort wäre auch Platz für:
- Regelmäßige Repair-Cafés
- Die Instandsetzung von abgegebenen Elektrogeräten aus den Wertstoffhöfen.
- Die Einbindung von Asylbewerbern in gemeinnützige Arbeit, etwa bei der Katalogisierung auf Online-Plattformen – viele von ihnen sind im Umgang mit IT und Smartphones sehr versiert.
Schon jetzt erwirtschaftet die winzige Wertstoffbörse gute Erträge für den kreiseigenen Abfallwirtschaftsbetrieb!
Kreislaufwirtschaft und Flächenschutz
Trotz erschwerter gesetzlicher Bedingungen bei der Bauschutttrennung gibt es Möglichkeiten, etwa Vollziegel gezielt zu sammeln und wiederzuverwenden. Wir wollen untersuchen, wie wir Bauschutt im Rahmen der neuen Gesetze legal im Kreislauf halten können.
Auch die Biomüllsammlung wird sich mit der endlich erfolgten Einführung der Biotonne verbessern. Mit der angestrebten Biomüllvergärung im Landkreis kommt das Substrat unseren regionalen Böden zugute, während das Biogas aufbereitet und ins Netz eingespeist wird.
Besonders wichtig ist uns der Schutz unseres Bodens. Wir kämpfen für eine drastische Reduzierung des Flächenverbrauchs. Unser Ziel ist die „Netto-Null-Versiegelung“: Brachflächen, inaktive Gewerbehallen und leerstehende Häuser müssen reaktiviert werden, statt stets „grüne Wiesen“ zu opfern.
Energie und Mobilität
Photovoltaik muss auf allen geeigneten Dächern von Kreisgebäuden Pflicht werden – im Neubau sowie im Bestand. Große Kreisliegenschaften können zudem helfen, kommunale Wärmenetze aufzubauen. Durch Strom- und Wärmespeicher in Zusammenarbeit mit Stadtwerken können hier auch dauerhafte Einnahmen für den Landkreis generiert werden.
Ressourcenschonung bedeutet für uns auch:
- Regionale Lebensmittel: Stärkung der Vermarktung (z. B. durch das von uns beantragte Regionalsiegel für den Landkreis FFB) und ein hoher Bio-Anteil in Kantinen von Schulen und Kliniken.
- Effizienter Verkehr: Unser Bus-System muss effizienter werden. Parkplätze an Kreisliegenschaften sollten für stationsbasiertes E-Carsharing (Mobilitätspunkte) genutzt werden, um Familien den Verzicht auf das Zweitauto zu erleichtern.
- Lückenschluss im Radwegenetz: Um CO2-Emissionen im Verkehr weiter zu senken.
Fazit
Das Thema Ressourcenschonung zieht sich wie ein roter Faden durch die Politik der ÖDP.
Beenden möchte ich meine Ausführungen mit einem Zitat von Mahatma Gandhi, das wir immer wieder gerne in Erinnerung rufen:
"Die Erde hat genug für jedermanns Bedürfnisse, aber nicht für jedermanns Gier."
Beste Grüße
Christian Holdt
Kreisvorsitzender der ÖDP, Kreisrat und Landratskandidat
Wichtiger Hinweis:
Blogbeiträge stellen die persönliche Meinung einzelner Parteimitglieder dar. Diese kann in Einzelfällen von der Programmlage der Partei abweichend sein. Auch ist es möglich, dass zu einzelnen Themen und Aspekten in der ÖDP noch keine Programmlage existiert.
